Wann Medikamente bei ADHS und welche gibt es

Warum ADHS Medikamente

Die medikamentöse Behandlung von ADHS ist die
wirksamste Methode um Betroffenen zu helfen.

Sie stellt die benötigten Neurotransmitter in ausreichender Menge zur Verfügung und unterstützt sie so ihre Symptome zu kontrollieren und ein selbstbestimmteres Leben zu führen.

Trotzdem gibt es viele Missverständnisse und Vorurteile über ADHS-Medikamente. Diese führen oft zu Verwirrung und Angst. Ich möchte mit diesem Beitrag aufklären und die Sicht einer Betroffenen zeigen.

  • Warum werden diese Medikamente eingesetzt?
  • Welche ADHS Medikamente gibt es?
  • Wie wirken sie und sind sie sicher?
  • Wird man davon abhängig?
  • Was gibt es weiter zu beachten?
ADHS Grafik ADHS Medikamente | ADHS Leben

Alles über die Medikamente

Warum eine medikamentöse Behandlung

ADHS ist keine Frage der Disziplin oder des Willens, sondern ein unterschiedlicher neurologischer Bauplan.
Dieser verursacht – als eine der wesentlichen Folgen – eine Fehlregulation von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Diese Botenstoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Emotionen. ADHS Medikamente zielen darauf ab, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren und dadurch die Kommunikation zwischen den Nervenzellen des Gehirns wesentlich zu verbessern.

Sie fügen also lediglich fehlende Neurotransmitter hinzu um die willentliche Steuerung zu erleichtern.
Man kann sich das in etwa so vorstellen, wie wenn ein Mensch mit Diabetes seinen Insulinspiegel anpasst, den der Körper nicht selbst ausreichend einstellen kann.

Für viele Menschen mit ADHS sind Medikamente ein notwendiger Baustein, um den Alltag zu meistern.
Sie helfen dabei, die überbordende Energie zu kanalisieren, Gedanken zu fokussieren und impulsive Handlungen zu kontrollieren. Medikamente sind kein Allheilmittel, aber sie bieten vielen Betroffenen das Fundament, auf dem sie andere Bewältigungsstrategien leichter aufbauen können.

Vorteile der medikamentösen Behandlung

Der wichtigste Vorteil von ADHS-Medikamenten ist ihre Fähigkeit, die Kernsymptome zu lindern:

  • Verbesserte Aufmerksamkeit:
    Die Medikamente ermöglichen es, die Aufmerksamkeit willentlich und gezielt auf Aufgaben zu richten und auch anschließend länger konzentriert dabei zu bleiben. Die Fähigkeit eine Aufgabe zu beenden und die Aktivität in Pausen herunter zu fahren wird unterstützt.
  • Bessere Impulskontrolle:
    Sie helfen spontane oder impulsive Handlungen zu reduzieren, sodass Betroffene besser in der Lage sind ihre Entscheidungen zu überdenken und bewusst zu treffen.
  • Emotionale Stabilisierung:
    Einige Medikamente helfen die emotionale Dysregulation zu verringern, die oft mit ADHS einhergeht. Die Betroffenen reagieren dadurch weniger stark auf Stress und die Frustrationstolleranz steigt an.

Menschen mit guter medikamentöser Einstellung ihrer ADHS berichten oft, dass sie sich weniger „chaotisch“, „blockiert“ oder „überwältigt“ fühlen. Sie können ihren Alltag strukturierter und effizienter gestalten.
Viele erfahren eine neu gewonnene Kontrolle über ihr Leben, die ihnen zuvor schmerzlich gefehlt hat.

Arten der Medikation

Es gibt zwei Hauptklassen der ADHS Medikamente: Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien.
Beide haben unterschiedliche Wirkmechanismen und Schwerpunkte in der gezielten Therapie von Symptomen. Sie sind aber gleichermaßen darauf ausgelegt die neurologischen Funktionen zu verbessern.

Stimulanzien:
Dazu gehören Medikamente mit Methylphenidat (Ritalin, Concerta) und Amphetamin-Derivate (Adderall, Elvanse). Sie erhöhen die Mende der verfügbaren Neurotransmitter Dopamin- und Noradrenalinspiegel im Gehirn. Das kann die Fähigkeit sich zu konzentrieren und Impulse zu unterdrücken deutlich verbessern. Weiters berichten viele Betroffene eine merkbare Erleichterung bei der Ausführung exekutiver Funktionen.

  • Vorteile: Stimulanzien wirken oft sehr schnell und bieten so eine spürbare Verbesserung der Symptome innerhalb kurzer Zeit. Sie sind die am häufigsten verschriebene Art von Medikamenten bei ADHS, gelten als äußerst effektiv und meist gut verträglich.
  • Sicherheit: Entgegen einem weit verbreiteten Mythos sind Stimulanzien bei richtiger Anwendung und unter ärztlicher Aufsicht sicher. Sie werden seit Jahrzehnten verwendet und ihre Wirkung sowie mögliche Nebenwirkungen sind tatsächlich gut erforscht. Ein Vorteil der Stimulanzien bei der Eindosierung ist ihre kurze Wirkdauer.

Nicht-Stimulanzien:
Zu diesen Medikamenten zählen Atomoxetin (Strattera) oder Guanfacin (Intuniv). Sie wirken anders als Stimulanzien und haben einen allmählicheren Effekt. Ihre Wirkungsweise beeinflusst den Noradrenalinspiegel, was zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit, Emotionsregulation und Impulskontrolle führt.

  • Vorteile: Nicht-Stimulanzien sind eine gute Option für Menschen, bei denen Stimulanzien nicht verträglich sind. Sie wirken langsamer und zählen zu den Medikamenten, die über einen längeren Zeitraum den benötigten Pegel aufbauen. Aufgrund ihrer gute Wirkung auf die Emutionsregulation werden sie – in geringer Dosierung – auch ergänzend zu Stimulanzien eingesetzt.
  • Sicherheit: Auch diese Medikamente haben ein niedriges Missbrauchspotenzial und sind eine gut etablierte Alternative zu Stimulanzien.

Abschließend sei gesagt

Die medikamentöse Behandlung von ADHS ist sicher, wirksam und hilft vielen Menschen endlich ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Die Medikamente sind kein “Wundermittel”. Sie bieten aber eine wichtige Grundlage zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen. Indem wir Vorurteile und Missverständnisse abbauen, können wir den Weg für ein besseres Verständnis von ADHS und seinen Behandlungsmöglichkeiten ebnen. Damit Betroffene auch genau die passende Unterstützung erhalten – die sie benötigen – um ihr Leben auf ihre eigene Art und Weise zu meistern.

Weil es aktuell immer wieder Thema ist
– ADHS Medikamente und die Neuroplastizität

Die Anpassungsfähigkeit (Plastizität) unseres Gehirns ist tatsächlich erstaunlich und zu unglaublichen Leistungen fähig.
Sie bietet auch viele Chancen bei ADHS und ermöglicht uns die Aussicht auf ein Leben mit allen Vorteilen – auch ohne Medikation. Leider wird sie öfters als Alternative zu Medikamenten angepriesen. Da das so nicht korrekt ist, möchte ich hier noch darauf eingehen.

Auch die Neuroplastizität ist für die Erfüllung ihrer Aufgabe auf eine funktionierende Übertragung zwischen den Synapsen und somit auf eine ausreichende Versorgung mit Neurotransmittern angewiesen.
Da eben diese bei ADHS nicht genügend vorhanden sind, ist auch die Anpassungsfähigkeit unserer Gehirnstruktur davon betroffen. Die Möglichkeit diese Plastizität zu nutzen ist daher nur sehr eingeschränkt gegeben. Es bedarf ohne Medikation eines enormen Mehraufwandes um eine Umstrukturierung in einem ADHS Gehirn herbei zu führen. Das ist auch ein Grund, warum es Menschen mit ADHS deutlich schwerer fällt Routinen und Gewohnheiten zu etablieren.

Anders sieht es da schon bei der Neuroplastizität unter Medikation aus.
Bei optimalem medikamentösen Ausgleich des Neurtransmitterspiegels, kann die Neuroplastizität auch ein ADHS Gehirn leichter umbauen. Dadurch besteht – mit Hilfe von passendem Training und längerfristiger Medikation – die Aussicht auf eine so umfassende Struckturveränderung, dass wir anschließend in unserem Alltag auf Medikamente verzichten können.
Wenn das nicht mal gute Neuigkeiten sind!

Grafik in Comic Stil von einer Explusionswolke

Vorurteile zur Medikation – und die Wahrheit dahinter

„ADHS Medikamente sind Drogen und machen süchtig.“

Ein häufiges Vorurteil besagt, dass ADHS Medikamente – besonders Stimulanzien – süchtig machen.
Das ist jedoch ein hartnäckiges Missverständnis.

Warum dieses Vorurteil existiert:
Die Sorge rührt aus der Tatsache, dass Stimulanzien wie Methylphenidat und Amphetamin mit einer Erhöhung des Dopaminspiegels im Gehirn verbunden sind. Dopamin ist jener “Vorfreude- und Belohnungsbotenstoff“ der in einem ADHS Gehirn nicht ausreichend verfügbar ist. Er spielt aber auch eine zentrale Rolle bei Suchterkrankungen.

Was wirklich stimmt:
Bei richtiger Einnahme unter ärztlicher Aufsicht senken ADHS Medikamente das tatsächliche Risiko von Suchtverhalten. Sogar ganz im Gegenteil, Menschen mit unbehandelter ADHS haben ein deutlich erhöhtes Risiko durch Impulsivität, emotionale Probleme und als Selbstmedikation in ihrem Leben eine Suchterkrankung zu entwickeln. Richtig medikamentierte Betroffene können durch die erlangte Kontrolle über ihrer ADHS Symptome dieses Risiko deutlich verringern. Sie erlangen die Fähigkeit gesündere Entscheidungen zu treffen, Risiken zu vermeiden und geraten nicht mehr übermäßig in Versuchung ihren zugniedrigen Dopaminpegel durch Suchtverhalten anzuheben.

Genau das Gegenteil ist wahr:
Eine gezielt eingesetzte, ärztlich begleitete Medikation bei ADHS senkt das Risiko für Impulsivität, Selbstmedikation und somit für Süchte bei Menschen mit ADHS!
Auch bei bereits suchterkrankten Betroffenen kann die Medikation einen enormen Beitrag bei der Entwöhnung leisten.

 „Medikamente machen aus Kindern kleine Roboter.“

Warum dieses Vorurteil existiert:
Manche glauben, dass ADHS Medikamente Menschen “dämpfen” und ihre Persönlichkeit verändern. Besonders bei Kindern gibt es die Sorge, dass sie nichtmehr so lebendig oder weniger sie selbst sein könnten. Es ist auch verständlicherweise eine schwierige Situation für Eltern – die mit vielen Ängsten einhergeht – eine Entscheidung über die Medikation des Kindes zu treffen.

Was wirklich stimmt:
Wenn Medikamente richtig dosiert werden, „dämpfen“ sie niemanden. Tatsächlich berichten viele, dass sie sich mit den Medikamenten mehr „sie selbst fühlen“, da sie besser in der Lage sind ihre Gedanken und Gefühle zu steuern. Es geht darum die Kontrolle zurückzugewinnen. Betroffene bekommen die Möglichkeit so zu sein, wie sie eigentlich sind. Ohne das Gefühl sich selbst nicht zu verstehen oder „ferngesteuert“ zu agieren.

Die individuell passende Medikation zu finden ist ein Prozess.
Dieser lohnt sich aber jedenfalls, da er Betroffenen die Selbstbestimmung über ihre Aufmerksamkeit, Impulse und Emotionen ermöglicht und so
das Leben deutlich erleichtert.

„ADHS Medikamente sind nur ein Pflaster – sie behandeln nicht die wahre Ursache.“

Warum dieses Vorurteil existiert:
Manche glauben, dass Medikamente nur die Symptome überdecken, aber nicht die zugrundeliegenden Probleme oder Ursachen lösen.

Was wirklich stimmt:
Das ist gerade bei ADHS Medikamenten so nicht richtig. Sie korrigieren das chemische Ungleichgewicht im Gehirn und setzen dadurch beim Grund für die Symptomatiken an. So ermöglichen sie es den Betroffenen klarer zu denken und überlegter zu handeln. Sie sind ein wichtiger Teil der Behandlung, aber auch nicht das alleinige Allheilmittel. Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Coaching und Selbstmanagement-Strategien sind ebenfalls entscheidend um langfristige Erfolge zu erzielen.
Medikamente sind aber auch hier eine relevante Grundlage, da sie das gezielte „an sich arbeiten“, „regelmäßig umsetzen“ und „einüben“ hilfreicher Methoden deutlich erleichtern oder manchmal erst ermöglichen.

„Man wird von den Medikamenten abhängig und muss sie ein Leben lang nehmen“

Warum dieses Vorurteil existiert:
Viele befürchten, dass sie nach der begonnenen Einnahme von ADHS Medikamenten nie mehr ohne sie auskommen werden.

Was wirklich stimmt:
Medikamente helfen vielen Menschen, aber nicht jeder braucht sie sein ganzes Leben lang. Viele Betroffene finden eine Dosis – in Kombination mit passender Unterstützung – die ihnen hilft ihre Symptome zu kontrollieren. Unter guter Medikation kann das Gehirn wieder optimal arbeiten und so neue stabile Verknüpfungen herstellen. Die Anpassungsfähigkeit (Plastizität) – die unter ADHS ebenfalls leidet – ist wieder hergestellt und man etabliert belastbare Routinen, Automatismen und Gewohnheiten im Alltag. Diese bestehen fort und können später sogar ohne Medikation abgerufen werden. Ist das erreicht, kann man im gewohnten Umfeld bei gleichbleibender Belastung auch ohne weitere Probleme die Medikamente weglassen. Es geht immer darum, was für den einzelnen Menschen am besten funktioniert und die Behandlung kann im Laufe des Lebens angepasst oder eingestellt werden.

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  1. 097 - ADHS und Kreativität mit Marie-Theres Kurz - nerdcafe Podcast - […] Zur Wirkungsweise der ADHS Medikamente: https://www.adhs-leben.at/warum-und-welche-adhs-medikamente/ […]

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